Meinung


Meinung

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Mei|nung ['mai̮nʊŋ], die; -, -en:
das, was jmd. glaubt, für richtig hält, als Tatsache annimmt:
was ist ihre Meinung zu diesem Vorfall?; wir sind unterschiedlicher Meinung; ich bin der Meinung, dass diese Lösung nicht infrage kommt; sie vertritt die gegenteilige Meinung; in der Schule lernt man, sich eine Meinung zu wichtigen Dingen zu bilden; die Meinungen sind geteilt; nach meiner Meinung/meiner Meinung nach ist die Sache bereits entschieden.
Syn.: Anschauung, Ansicht, Auffassung, Einstellung, Erachten, Hypothese (bildungsspr.), Standpunkt, These (bildungsspr.), Urteil, Vorstellung.
Zus.: Gegenmeinung, Lehrmeinung, Mehrheitsmeinung, Schulmeinung, Volksmeinung.

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Mei|nung 〈f. 20
1. Ansicht, Anschauung, Standpunkt
2. Urteil, Wertschätzung
● die \Meinung der Allgemeinheit, der Leute, der Masse ● seine \Meinung ändern, aufgeben, fallenlassen; angehen: was geht mich die \Meinung der Leute an!; auseinandergehen: unsere \Meinungen gehen auseinander, sind geteilt; eine \Meinung äußern, durchsetzen, haben, kundgeben, sagen, verfechten, vertreten, vorbringen; wir könnten einmal unsere \Meinungen darüber austauschen wir könnten uns gegenseitig sagen, was wir darüber denken; die öffentliche \Meinung befragen, erforschen, fürchten, missachten, verachten; jmds. \Meinung beipflichten, beistimmen, zustimmen; ich habe ihm gehörig die, meine \Meinung gesagt offen mein Missfallen ausgedrückt; sein: ich bin der \Meinung, dass ...; was ist Ihre \Meinung?; das ist auch meine \Meinung! ● er duldet keine andere \Meinung; ich bin anderer \Meinung (als du); er hat keine eigene \Meinung er redet nur das nach, was die anderen sagen; mit jmdm. einer \Meinung sein; eine gute, hohe, schlechte \Meinung von jmdm. haben; ich habe eine gute, keine gute \Meinung von ihm; ich habe darüber keine \Meinung ich kann es nicht beurteilen; es ist mir gleich; ganz meine \Meinung!; die öffentliche \Meinung die Ansicht der Allgemeinheit; wir sind häufig verschiedener \Meinung ● er beharrt, besteht auf seiner \Meinung; ich habe meine eigene \Meinung darüber ich denke darüber anders als die Übrigen; in jmds. \Meinung sinken, steigen; nach meiner \Meinung war das so; meiner \Meinung nach war das so; sich eine \Meinung über jmdn. od. etwas bilden; er kümmert sich nicht um die \Meinung der anderen; von einer \Meinung abkommen; sich eine \Meinung von jmdm. od. etwas bilden

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Mei|nung , die; -, -en [mhd. meinunge, ahd. meinunga, zu meinen]:
a) persönliche Ansicht, Überzeugung, Einstellung o. Ä., die jmd. in Bezug auf jmdn., etw. hat (u. die sein Urteil bestimmt):
eine vorgefasste M. haben;
die -en über den Fall sind geteilt;
meine unmaßgebliche M. ist, dass sie nicht infrage kommt;
seine M. sagen;
sich eine M. bilden (einen Einblick verschaffen, der ein Urteil ermöglicht);
eine bestimmte M. vertreten;
jmds. M. [nicht] teilen [können];
über etw. anderer M. sein;
ich bin der M. (bin davon überzeugt), dass der Termin nicht zu halten ist;
eine schlechte, hohe M. (ein negatives, [sehr] positives Urteil) von jmdm. haben;
an seiner M. festhalten;
niemand hatte sie nach ihrer M., um ihre M. gefragt;
nach meiner M./meiner M. nach ist die Sache längst entschieden;
als Bekräftigungsformel: ganz meine M.! (so denke ich auch darüber);
jmdm. die/(seltener:) seine M. sagen/(salopp:) geigen (jmdm. unmissverständlich seinen Unwillen zu erkennen geben; jmdn. wegen etw. scharf zurechtweisen);
b) im Bewusstsein der Allgemeinheit [vor]herrschende Auffassungen hinsichtlich bestimmter [politischer] Sachverhalte:
die allgemeine M. zu ermitteln suchen;
die öffentliche M. (die Meinung, das Urteil der Öffentlichkeit; von frz. opinion publique);
die veröffentlichte M. (die bes. von den Massenmedien verbreitete Meinung zu bestimmten Ereignissen, die die Meinungsbildung der Öffentlichkeit beeinflusst, steuert).

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Meinung,
 
ein Behauptungsvorgang, der als ein subjektives Für-wahr-Halten im Unterschied zum Wissen nicht der Forderung strenger Überprüfbarkeit unterliegt, der unmittelbar ist oder das Ergebnis einer gewissen Reflexion darstellt und von dem erwartet wird, dass er plausibel ist, ohne dass er vollständig begründbar sein muss. So können unterschiedliche Meinungen über einen Sachverhalt oder Gegenstand (z. B. in Form politischer oder ästhetischer Urteile) aus der unterschiedlichen Perspektive ihrer Argumente heraus ihre jeweilige Berechtigung haben. (Meinungsbildung)
 
In der Antike (Parmenides, Platon) bezeichnete Meinung (Doxa) eine scheinbare Erkenntnis und vermeintliches Wissen. Die neuere Philosophie (I. Kant) versteht unter Meinung ein subjektiv und objektiv unzureichendes Für-wahr-Halten. Im Unterschied dazu wird »Glauben« als eine subjektive Gewissheit, »Wissen« als subjektiv und objektiv zureichendes Für-wahr-Halten definiert. Als subjektive Vorstellung wird die Meinung bei G. W. F. Hegel vom allgemeinen an sich seienden Gedanken der objektiven Wissenschaft geschieden. In der Phänomenologie (E. Husserl) bezeichnet Meinung die Verknüpfung zwischen sinnvermittelnder Leistung (Noesis) und vermittelndem Sinn (Noema) im meinenden Akt.

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Mei|nung, die; -, -en [mhd. meinunge, ahd. meinunga, zu ↑meinen]: a) persönliche Ansicht, Überzeugung, Einstellung o. Ä., die jmd. in Bezug auf jmdn., etw. hat (u. die sein Urteil bestimmt): eine abweichende, vorgefasste, vernünftige, irrige, gegenteilige M. haben, vertreten; die -en über den Fall sind geteilt, gehen auseinander; meine unmaßgebliche M. ist, dass sie nicht infrage kommt; seine M. sagen; sich eine M. bilden (einen Einblick verschaffen, der ein Urteil ermöglicht); eine bestimmte M. vertreten; seine M. ändern; ich habe dazu keine M. (bin nicht imstande, darüber zu urteilen; möchte mich dazu nicht äußern); jmds. M. [nicht] teilen [können]; über etw. anderer, geteilter M. sein; ich bin der Meinung (bin davon überzeugt), dass der Termin nicht zu halten ist; eine schlechte, gute, hohe M. (ein negatives, [sehr] positives Urteil) von jmdm. haben; an seiner M. festhalten; er trägt das Western-Hemd nicht in der M., dass es ihn jünger mache (Frisch, Montauk 55); niemand hatte sie nach ihrer M., um ihre M. gefragt; was müsste nach Ihrer geschätzten M. noch erfunden ... werden (Langgässer, Siegel 79); nach meiner M./meiner M. nach ist die Sache längst entschieden; als Bekräftigungsformel: ganz meine M.! (so denke ich auch darüber); *jmdm. die/(seltener:) seine M. sagen/(salopp:) geigen (jmdm. unmissverständlich seinen Unwillen zu erkennen geben; jmdn. wegen etw. scharf zurechtweisen): zieh bloß keinen Flunsch ... weil ich dir mal die M. gegeigt habe (Fallada, Jeder 14); b) im Bewusstsein der Allgemeinheit [vor]herrschende Auffassungen hinsichtlich bestimmter [politischer] Sachverhalte: die allgemeine M. durch Umfragen zu ermitteln suchen; Die damals herrschende M. ging ... dahin, man könne gar nicht langsam genug bauen (Kafka, Erzählungen 304); die öffentliche M. (die Meinung, das Urteil der Öffentlichkeit; LÜ von frz. opinion publique); die veröffentlichte M. (die bes. von den Massenmedien verbreitete Meinung zu bestimmten Ereignissen, die die Meinungsbildung der Öffentlichkeit beeinflusst, steuert).

Universal-Lexikon. 2012.

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